Modellschule

Die Modellschule ist das eigentliche Kernstück von Pukllasunchis. Seit 2001 verfügt Pukllasunchis über eine eigene Schulanlage in Tikapata («Ort der Blumen») am Stadtrand von Cusco. Heute besuchen 760 Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren die Schule in Tikapata. In der Zeitspanne von 1997 haben über 1000 Jugendliche das Colegio mit einem Schulabschluss verlassen und haben anschliessend in ihrer Mehrheit ein Studium aufgenommen.

Die Akteure

Pukllasunchis betrachtet Bildung und Erziehung als eine gemeinsame Aufgabe von Lehrern und Lehre-rinnen, Schülern und Schülerinnen, Müttern und Vätern.

Die Schülerschaft

Die Schülerschaft in Tikapata widerspiegelt die vielfältige Realität der Region von Cusco.

Pukllasunchis nimmt SchülerInnen aus allen Bevölkerungsgruppen, allen Einkommensschichten und Kinder mit unterschiedlichen intellektuellen und praktischen Fähigkeiten auf. Die gezielte Durchmischung der sozialen Schichten liegt Pukllasunchis ganz besonders am Herzen; so sollen 50% der SchülerInnen aus den Armenvierteln und 50% aus dem Mittelstand kommen.

Das Interesse an der Modellschule ist heute so gross, dass nicht alle Aufnahmegesuche berücksichtigt werden können.

Die Lehrer

Die Modellschule stellt an ihre Lehrkräfte hohe Ansprüche. Sie verfügt über viele fachkundige und erfahrene LehrerInnen, die diesen Anforderungen genügen.

In Peru sind jedoch gut qualifizierte LehrerInnen Mangelware, und die Rekrutierung von ausgewiesenen pädagogischen Fachkräften stellt Pukllasunchis immer wieder vor ernsthafte Probleme. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bleiben viele Lehrpersonen viele Jahre bei Pukllasunchis oder kehren immer wieder hierher zurück – weil sie etwas verändern wollen und hinter Pukllasunchis stehen.

Die Eltern

Ohne den Beitrag der Eltern ist die Erziehungsaufgabe aus Sicht von Pukllasunchis nicht zu bewältigen.

Es gehört daher zu den Aufnahmebedingungen des Colegio, dass die Eltern nicht nur ein (einkommensabhängiges) Schulgeld entrichten, sondern sich auch zu einer aktiven Beteiligung am Schulleben verpflichten. Dazu gehören Gespräche mit den LehrerInnen der eigenen Kinder, Mitarbeit in Arbeitsgruppen und Werkstätten, Mithilfe bei der Vorbereitung und Durchführung von Festen und bei der jährlichen Putzaktion des Schulgeländes von Tikapata.

Die Inhalte

Das Lehrprogramm

Vielfalt kennzeichnet auch das Lehrprogramm der Modellschule.

Zwar muss sich auch Pukllasunchis an den offiziellen Lehrplan halten, hat ihn aber modifiziert und er-weitert. Pukllasunchis hat ein ganzheitliches Lernverständnis d.h. die Kinder sollen nicht nur mit dem Verstand, sondern ebenso mit dem Gemüt und dem Körper lernen. Pukllasunchis nimmt daher bewusst den Frontalunterricht zugunsten anderer Unterrichtsmethoden zurück; die Kinder sollen zu Wort kommen, ihr Wissen einbringen und sich auch an der Gestaltung des Unterrichts und gar der Schule beteiligen.

Der Morgen ist normalerweise den Fächern des klassischen Wissenskanons vorbehalten. An den Nachmittagen besuchen die SchülerInnen den Werkstattunterricht, arbeiten in Gruppen, widmen sich künstlerischen Tätigkeiten und treiben Sport. Das Jahresprogramm umfasst zudem besondere Arbeits- und Studientage sowie sportliche wie kulturelle Veranstaltungen und Feste.

Quechua als Zweitsprache

Der Quechua-Unterricht ist für Pukllasunchis ein zentrales Anliegen.

Dabei geht es nicht nur darum, die Sprache als solches zu erlernen, sondern über die Sprache die andine Kultur in die Schule einzubinden. Hinter dem Fach steht also ein ganzheitlich interkultureller und nicht ein spezifisch linguistischer Ansatz.

Die Modellschule hat eine eigene Methodik für das Unterrichten des Quechua auf allen Schulstufen erarbeitet und ist ständig daran, diese weiterzuentwickeln. Bisher sind vier Lehrmittel dazu erschienen, die von der 2. Primarklasse bis zur 5. Sekundarklasse eingesetzt werden können. Im Kindergarten und in der 1. Klasse wird das Quechua mündlich gefördert, gleichwertig mit dem Spanischen im sog. Immersionsunterricht. Pukllasunchis gibt sein Wissen und seine Erfahrungen auch in der Lehrerbildung weiter und hat bisher rund 200 Lehrpersonen von anderen Schulen mit seiner Methode vertraut gemacht.

Schulische Inklusion

Seit 1999 nimmt die Modellschule auch Kinder und Jugendliche mit speziellem Förderbedarf im Lernen und Verhalten auf und integriert sie in die Regelklassen.

Pukllasunchis spricht dabei bezeichnenderweise von Kindern mit anderen Fähigkeiten. Im Durch-schnitt besuchen 50 Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen die Schule (körperliche und/oder geistige Behinderung, Autismus-Spektrums-Störung, Hör- und Sprachbehinderung). Dank dem Beizug von Fachleuten und zusätzlichem Personal ist die ständige Betreuung dieser Kinder sichergestellt. Die Lehrpersonen, die Kinder mit einer Behinderung in ihren Klassen unterrichten, erhalten eine Einführung und periodische Weiterbildungen in integrativer Pädagogik und werden von Fachleuten begleitet.

Seit 2014 begleitet Pukllasunchis auch die Schulabgänger mit Behinderungen bei der Eingliederung in Arbeits- und Studienplätzen (siehe…)

Werkstattunterricht

Ziel ist es, bei den Schülerinnen und Schülern technische und kreative Fertigkeiten zu fördern, basierend auf traditionellem Kunsthandwerk.

Dabei sollen die lokalen technischen Ressourcen und Kenntnisse genutzt und die ökologischen Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung berücksichtigt werden.

Die für die Vor- und Primarschule bestimmten Werkstätten fördern handwerkliche Fertigkeiten, die später in der Praxis genutzt werden können. Für die Sekundarstufe werden Ateliers zu folgenden Themen angeboten: Weben, Medizinalpflanzen, Keramik, Nähen, Holz, Kochen, Recycling, Papier, Silberschmuck. Die aus diesen Werkstätten gewonnenen Produkte werden mit Einverständnis der Behörden auf öffentlichen Plätzen in Cusco verkauft; der Erlös deckt jeweils die gesamten Materialaufwendungen. Wenn man von den Löhnen der Lehrpersonen absieht, sind die Werkstätten selbsttragend.

Die Werte

Die andine Kultur

Die Besinnung auf die andine Kultur durchdringt das ganze Lehrprogramm der Modellschule in Tikapata.

Damit trägt die Schule dem Umstand Rechnung, dass die andine Kultur die Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen in der Region von Cusco darstellt. Dahinter steht die Überzeugung von Pukllasunchis, dass jede Bildung von der Realität der Lernenden ausgehen muss. Denn das Kind muss zuerst seine eigene Identität entwickeln und damit sich selbst vertrauen können, bevor es etwas verstehen und sich neue Dinge aneignen kann. Die Lerninhalte haben daher in den klassischen Wissensfächern und in den praktischen Programmelementen eine starke andine Orientierung. Die augenscheinlichste Massnahme ist die Aufnahme des Quechua ins Lehrprogramm; seit 2010 wird schon im Kindergarten die eine Hälfte des Morgens in Quechua und die andere auf Spanisch unterrichtet.

Bewahrung der Umwelt

Das Lehrprogramm von Pukllasunchis fordert eine kritische Auseinandersetzung mit dem Raubbau an den natürlichen Ressourcen und der daraus resultierenden Störung des ökologischen Gleichgewichts.

Vor allem aber will Pukllasunchis die Kinder dazu anleiten, ihrer natürlichen Umwelt Sorge zu tragen, und will ihnen das Bewusstsein vermitteln, dass sie Teil dieser Umwelt sind.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter

Viel Wert legt Pukllasunchis auch auf die Gleichberechtigung der Geschlechter und reagiert damit auf die nach wie vor ausgeprägte Benachteiligung der Frauen in der peruanischen Gesellschaft.

Die Schule in Tikapata achtet nicht nur auf ein möglichst ausgeglichenes Verhältnis zwischen Knaben und Mädchen in den Klassen, sondern setzt sich auch ein für ein Schulklima ohne geschlechterbezogene Herabwürdigung und Diskriminierung.

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Schulen für Cusco
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