Porträts

Drei ehemalige Schülerinnen von Pukllasunchis äussern sich sehr persönlich darüber, inwieweit die Jahre bei Pukllasunchis ihr Leben geprägt haben.

Carolina Itusaca

Ehemalige des Abschlussjahrgangs 2000
Heute Chirurgin und Leiterin der Klinik der Stadt Cusco

Pukllasunchis hat mir die Grundwerte mitgegeben, die mein Leben mitgeprägt und meine berufliche Orientierung mitbestimmt haben, der Dienst am anderen und die Erhaltung der Natur.

Zuerst war ich in der Pflege, wechselte dann aber über zur Agronomie; denn während meiner Puklla-Zeit war ich Mitglied des schuleigenen Umweltklubs, CIPA 21, war sehr engagiert und nahm sogar mehrmals an Kongressen teil. Das Agronomiestudium war dann doch nicht ganz das, was ich mir erträumt hatte, ich machte keinen Abschluss, kehrte zur sozialen Arbeit zurück und studierte Medizin.

Die Institution, die ich heute leite, gehört zum Bereich der menschlichen und sozialen Entwicklung der Stadt Cusco. Wir machen Gesundheitsförderung, führen Kampagnen durch, um so an die ärmere Bevölkerung heranzukommen. So haben wir zum Beispiel letzthin unter meiner Leitung eine Kampagne zur Zahn- und Mundpflege für diese Bevölkerungsgruppen durchgeführt und in diesen Gemeinden gearbeitet. Mir gefällt sehr, was ich tue; es ist wie eine Fortsetzung dessen, was wir bei Pukllasunchis gemacht haben, nämlich uns an die Ärmsten und Benachteiligten zu wenden. Darum bin ich im Gesundheitsbereich gelandet. Aber die Natur habe ich nicht vergessen, auch wenn ich nicht Agronomin geworden bin. Zuhause habe ich einen schönen Garten mit Äpfeln und Pfirsichen, was man normalerweise in einer Stadtwohnung in Cusco nicht sieht; aber ich will das beibehalten.

Ein ehemaliger Puklla-Schüler unterscheidet sich von Abgängern anderer Schulen. Wir sind viel weniger förmlich, sondern spontan, naturverbunden, vielleicht auch träumerisch. Zu Beginn hatte Ich in der Stadtverwaltung, wo ich heute arbeite, ein Problem mit meiner Leitungsfunktion. Denn normalerweise gelten Führungspersonen in Peru als höhergestellt, als Chef, der die Befehle gibt. Aber ich habe bei Pukllasunchis gelernt, dass ein Vorgesetzter mehr ein Vorbild zu sein hat, jemand, der die andern mitziehen kann und mit ihnen zusammenarbeitet. Unsere Lehrer waren nicht einfach Lehrer, sondern Vertrauenspersonen, die uns unterrichteten. Mein Problem in der Stadtverwaltung war also, dass ich mich nicht als Chefin fühlte, das war nur die Bezeichnung, sondern wie eine Person, die mitarbeitet und auch von den andern lernen will. Einige haben mich verstanden, für viele war das aber seltsam, ja abstrus. Heute aber gibt es diese Hierarchie nicht mehr, man respektiert einander und das was wir tun, aber wir sind alle gleich. Und das habe ich bei Pukllasunchis gelernt.

Mein Leben ist wie bei vielen andern oft kompliziert. Aber ich gebe mir Mühe, die Probleme, denen ich im Alltag begegne, zu überschauen und mir mehrere Auswahlmöglichkeiten zu schaffen. Bis auf weiteres möchte ich Chefin bleiben, es muss aber nicht so bleiben wie es ist. Ich möchte mich spezialisieren, möchte weiter an mir arbeiten und wachsen. Aber ich bin glücklich mit dem, was ich bisher erlebt und erreicht habe, trotz aller Probleme. Mir gefällt meine berufliche Laufbahn, und mir gefällt, was ich tue.

Adriana Dávila

Adriana Dávila
Abschlussjahrgang 2015
Unternehmerin, Inhaberin der Firma Sisary Desserts

Alles, was ich in meinem Leben habe machen wollen oder zu machen gewagt habe, habe ich vor allem Pukllasunchis zu verdanken. Denn Pukllasunchis hat mich gelehrt, eine mutige Frau zu sein, keine Angst vor dem Neuen und vor dem Lernen zu haben. Das hat mich begleitet, und heute habe ich Vertrauen in mich selber und in meine Arbeit. Meine Mutter sagt, dass es Personen gibt, die immer sagen, was sie machen werden, aber dann nichts davon ausführen. Ich sage auch, was ich tun werde, mache es dann aber auch. Ich bin eine arbeitsame Person, glaube an den Wert der Arbeit und versuche, das auch meinem Sohn zu vermitteln. Arbeit wird in unserer Gesellschaft oft schlecht gesehen, wie eine Art Sklaverei, der man sich freiwillig unterwirft. Aber ich denke, die Arbeit hilft dir, dich zu verwirklichen, hilft dir etwas beizutragen, dass mehr Personen und du selber auch glücklich sind. Ich arbeite gerne, sogar sehr, ich würde sogar sagen, dass ich praktisch meinen ganzen Tag verschiedenen Arbeiten widme, und das macht mich sehr glücklich.

Meine Lehrer bei Pukllasunchis haben mir grossartige Dinge gesagt: « Du bist wunderbar, du bist fähig, deine Kreativität hat keine Grenzen, du bist so lustig und liebenswürdig». So haben sie mit mir gesprochen, das hat mir über manche Krise hinweggeholfen, vielleicht auch als ich mich getrennt oder als ich eine Arbeit aufgegeben habe, in welche ich viel Herzblut gelegt hatte. Dinge, die ich nicht mit meiner Mutter besprechen konnte oder Dinge, die ich nicht zu fragen oder zu sagen wagte, habe ich mit meinen Lehrern besprochen. Sie haben mich gestützt, mir die absolute Sicherheit gegeben, dass ich mich selber sein kann, mich wieder aufrichten und den Blick auf die Dinge ändern kann. Ich denke, das ist wichtig, und es ist etwas, das ich meinen Kindern weitergeben will, zu versuchen immer auf seine Gefühle zu achten und auch eine angepasste Sprache zu führen. Wie sehr ich mir Sorgen mache oder mich hilflos fühle, es genügt, ihnen als Erwachsene zuzuhören, und ihnen mit der Liebe und der Sicherheit zu antworten, wie mir meine Lehrer geantwortet haben. Ich denke, das ist etwas, das ich mit mir trage und das mir in vielerlei Hinsicht das Leben erleichtert.

Als ich ein Kind war, wurden unsere Sitten, unsere Speisen, unsere Art zu sprechen und anderes mehr von Schülern anderer Colegios oft herabgesetzt. Aber Pukllasunchis hat der Gesellschaft von Cusco einen Wert gegeben, und das macht es, dass die Kinder hier ihren Alltag, das was sie jeden Tag leben, wertschätzen. Sie würdigen so auch ihre Familien, ihre Gesellschaft, ihre ursprüngliche Sprache, sogar die Dialekte, die sie zu Hause sprechen. Diese Wertschätzung ist geblieben, ehemalige Pukllas sind stolz auf ihre Herkunft, haben keine Hemmungen zu sagen, wer sie sind, und keine Angst ihre Kultur zu zeigen. Ich glaube, das ist der grösste Beitrag von Pukllasunchis an das Land.

Ich habe irgendwo gelesen, das Menschen glücklicher sind, wenn sie sich grösser machen. Aber ich denke, glücklich zu sein, ist eine Haltung, die man hat, es ist die Fähigkeit, die guten Dinge in deinem Umfeld zu erkennen und dafür dankbar zu sein. Ich kann sagen, dass ich gerade jetzt, aber auch ganz allgemein glücklich bin. Natürlich bin ich wie alle jungen Menschen oft unsicher, habe wenig Boden unter den Füssen, wegen der wirtschaftlichen Situation, dem nächsten Tag, fühle mich unsicher gegenüber Paaren, auch vor den Erwartungen, die ich von meinen Kindern und mir selber habe. Manchmal bin ich deswegen frustriert, aber im allgemeinen kann ich gut damit umgehen. Es gefällt mir zu wissen, dass ich eine belastbare Person bin, dass ich viel Vertrauen in mich habe, dass nichts Schlimmes mir geschehen kann, weil ich die nötigen Flügel habe, um da hinzufliegen, wo ich will. Heute wollen alle erfolgreich sein oder erscheinen, aber ich denke, der Erfolg misst sich an den Beziehungen zu deinen Eltern, zu deiner nächsten Gemeinschaft, zu deinen Nachbarn, deinen Kindern , und so fühle ich mich, mit meinen 32 Jahren, erfolgreich. Ich habe eine sehr hübsche Familie, ein Netz von guten Freunden, und mit den Dingen, die ich nicht habe haben können, habe ich mich ausgesöhnt. Darum fühle ich mich wohl mit meinem Leben.

Dalia Ponce

Dalia Ponce
Dalia Ponce schloss die Schule Pukllasunchis im Jahre 1997 ab und gehörte damit zum ersten Abschlussjahrgang von Pukllasunchis. Sie ist heute Künstlerin.

Mir hat Pukllasunchis viel gegeben. Zuerst einmal einen Freiraum, wo ich spontan und natürlich und ohne Hierarchien und ohne soziale Unterschiede Kontakte knüpfen konnte, wo Knaben und Mädchen von gleich zu gleich miteinander sprechen konnten. Dann die Fähigkeit zur Kritik und Selbstkritik, alles was in der Gesellschaft passiert in Frage stellen zu können und zu sehen, was uns betrifft als Schüler, aber auch als Teil der Gesellschaft. Schliesslich bin ich sehr dankbar dafür bin, dass man mir die Möglichkeit gegeben hat, mich der Kunst zu widmen. Denn ich habe schon als kleines Kind Musik und Theater gemacht, und es hat mich schon früh gepackt. Daher glaube ich, dass Pukllasunchis mir vor allem zu meiner Berufung verholfen hat

Pukllasunchis bringt in die Gesellschaft einen anderen Blick auf die Welt, mit Personen, die sie in Frage stellen, neue Ideen und ihre Meinung einbringen. Ich bin aus Pukllasunchis mit viel feministischem Bewusstsein herausgekommen, und das war für mich als Frau wichtig. Das Angebot von Pukllasunchis bedeutet für mich letztlich: den Menschen ein anderes Denken zu geben.

Pukllas sind im guten Sinn des Wortes «frech». Wir sagen, was wir denken, machen was wir wollen, überzeugen unsere Eltern uns zu begleiten in dem, was wir im Leben machen wollen. Das ist es, glaube ich, diese positive Frechheit, was einen Puklla auszeichnet. Und tatsächlich, wenn ich solche Personen antreffe, frage ich jeweils: «Bist du ein Puklla?» so antworten sie oft mit ja.

Mein Leben ist vielleicht unbeständig; es gibt Zeiten, da habe ich viel Arbeit, und dann wieder solche, wo ich mich erholen kann. Mein Leben ist aber so, wie ich es haben will, mit all den Höhen und Tiefen, das ist mein Weg, und der ist noch lang. Ich bin immer am Kämpfen, um das zu tun, was ich will, was mir gefällt, was mich packt, was mich bewegt, so ist mein Leben, es ist so wie ich es haben will.

Wichtig für mich ist die Familie, meine Beziehungen, mit den Eltern, den Geschwistern, aber auch mit jenen Personen, mit denen man Träume lebt, wie deine Arbeitskollegen, deine Freunde, dein ganzes Umfeld. Dann auch der Blick auf die Welt, mit offenen Augen, im Wassern, dass du nicht die absolute Wahrheit hast, sondern Sichtweisen gibt. Das ist wichtig: zu verstehen, dass die Welt voller t Blickwinkel ist, und dass es gilt, diese zu gemeinsamen Zielen zu vereinen. Und schliesslich die Liebe, woher sie auch kommt, ob in Verbindung mit der Familie, den Freunden, den Kollegen, den Haustieren; ich glaube, sie ist fundamental.

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